Geschichte der Soziologie Sektion der ÖGS

Aktuelles

Sektionstagung 2018 – Erste Ankündigung und Call for Papers

Zeit: Mittwoch 19. bis Freitag 21. September 2018
Ort: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Die diesjährige Tagung der Sektion Geschichte der Soziologie der ÖGS wird zwischen 19. und 21. September an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) stattfinden. Sie beginnt am Nachmittag des ersten Tags mit einer Podiumsdiskussion, die anlässlich des 30-Jahre-Jubiläums der Publikation des Sammelbands Geschichte der Österreichischen Soziologie. Konstituierung, Entwicklung und europäische Bezüge (hg. von Josef Langer, Wien: Verlag für Gesellschaftskritik) Bilanz ziehen und gleichzeitig auch Hinweise auf künftige Forschungsfelder geben möchte. Was wissen wir heute, was wir vor 30 Jahren nicht wussten? Was haben wir vergessen? Und was wissen wir immer noch nicht? Neben dem Herausgeber und einer/m damaligen Autor/in werden auch Vertreter/innen heutiger Forschungsperspektiven auf dem Podium Platz nehmen.
Der zweite Tag und optional der Vormittag des dritten Tags wird der Präsentation laufender, geplanter oder eben abgeschlossener Forschungsvorhaben gewidmet sein, wobei hier wie üblich weder „Geschichte“ noch „Soziologie“ einschränkend verstanden werden. Für diesen zweiten Tag ersuche ich um Vortragsvorschläge, aber auch um Vorschläge für thematische Sessions (inkl. Vortragender) bis zum 10. Mai 2018 an Christian Dayé (christian.daye@aau.at).
Ein weiterer Programmpunkt der Sektionstagung wird die Besichtigung der Karl Popper-Sammlung in der UB Klagenfurt (https://www.aau.at/universitaetsbibliothek-klagenfurt/karl-popper-sammlung/) sein.
Die Sektionstagung findet in zeitlicher Nähe zur 2nd STS Austria Conference statt, die von Montag 17. bis Mittwoch 19. September ebenfalls an der AAU stattfindet. Auch bei dieser Veranstaltungen sind Einreichungen noch bis 2. Mai 2018 möglich (den Call for Papers und weitere Informationen finden Sie auf http://www.sts-austria.org/).

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Dayé, Sektionssprecher 10. April 2018

 

Veranstaltungen am Kongress 2017

 

1. Joseph A. Schumpeter und Talcott Parsons: Das gemeinsame Seminar zur Rationalität in den Sozialwissenschaften an der Harvard University 1939/40

Organisation: Helmut Staubmann

Im Studienjahr 1939/40 fand ein ungewöhnliches interdisziplinäres Seminar zum Thema Rationalität in den Sozialwissenschaften an der Harvard University statt, das auf Anregung von Joseph A. Schumpeter und in Kooperation mit Talcott Parsons durchgeführt wurde. Unter den Referenten befanden sich drei Österreicher: neben Schumpeter niemand geringerer als Alfred Schütz und der Psychoanalytiker Robert Wälder. Unter den Teilnehmern, die später große Karrieren machen sollten, wie der Nobelpreisträger Leontief, befand sich auch der aus Österreich stammende Ökonom Gottfried Haberler. Schumpeter und parsons planten die Veröffentlichung der Vorträge und weitere Beiträge, was jedoch nicht zustande kam. Helmut Staubmann und Victor Lidz ist es gelungen, die Vortragspapiere aus den Harvard Archiven zusammenzustellen und gemeinsam mit dem Briefwechsel, der rund um das Seminar und die geplante Veröffentlichung geführt wurde, sowie einigen prominenten Beiträgen, die das Rationalitätsthema aus aktueller Perspektive beleuchten, zu veröffentlichen. In der Session wird die geschichtliche Bedeutung des Seminars und die Aktualität des Themas fast 80 Jahre danach diskutiert.

Referenten:

  • Helmut Staubmann, Universität Innsbruck: Zur Geschichte des Schumpeter/Parsons Seminars
  • Dieter Bögenhold, Universität Klagenfurt: Das Rationalitätsproblem und die Soziologie: Ein Kommentar aus zeitgenössischer soziologischer Perspektive
  • Jörn Kleinert, Universität Graz: Das Rationalitätsproblem und die Ökonomie. Kommentar aus zeitgenössischer volkswirtschaftlicher Perspektive

 

2. Geschichte und Soziologie der Sozialwissenschaften: Aktuelle Forschungen

Organisation: Christian Dayé

Diese Veranstaltung lädt zur Präsentation aktueller Forschungen aus dem bewusst breit gefassten Bereich von Geschichte und Soziologie der Sozialwissenschaften ein.

ReferentInnen:

  • Andreas Kranebitter, Universität Wien: Unerwünschter Spin-Off. Das Schicksal der US-Army-Forschung zu NS-Konzentrationslagern am Beispiel des Soziologen Elmer Luchterhand
  • Oliver Neun, Universität Kassel: Das Verhältnis von „Theorie“ und Praxis in der deutschen Soziologiegeschichte: Zu ihrer Historisierung
  • Eva Maria Schultze, Universität Halle-Wittenberg: Mehrwert, Profit, Monopol, Schließung. Zur Genese und Bedeutung der Monopollogik im Theoriegebäude Adornos

 

3. Fortschritt und Stagnation in der Soziologie

Organisation: Christian Dayé & Philipp Korom

Es scheint Konsens zu sein, Fortschritt in den Sozialwissenschaften nicht als kontinuierliche Annäherung an die “Wahrheit” zu konzeptualisieren, sondern als eine Reihe von “progressive Problemverschiebungen” (Lakatos). Ob nun Fortschritt oder Stagnation in der Soziologie überwiegt bleibt eine strittige Frage. Eindeutige Antworten sind nicht auszumachen und einfache Vermessungsversuche anhand von Zitationsraten erbringen ambivalente Befunde. Zwei Probleme, die den Sozial- jedoch nicht den Naturwissenschaften eigen sind, dominieren die Diskussion (Cole 1994): Erstens sind Gesellschaften im steten Wandel begriffen. Theorien, die einst Erklärungskraft hatten, können dadurch ihre Bedeutung einbüßen. Zweitens sind Forschungsparadigmen (Kuhn) nicht eindeutig auszumachen. Eine Rekonstruktion von Erkenntnisfortschritt, operationalisiert als Verdrängung einer Theorie durch eine Nachfolgetheorie, ist somit schwer machbar. Hinzukommt die Einsicht, dass eine Beurteilung vergangener Leistung anhand aktueller Maßstäbe nicht gerechtfertigt ist.

Referenten:

  • Christian Fleck & Carl Neumayr, beide Universität Graz: Soziale und kognitive Aspekte von akademischen Revolutionen
  • Thomas Klebel & Philipp Korom, beide Universität Graz: Die Verfallszeit soziologischer Ideen
  • Alexander Bogner, Österreichische Akademie der Wissenschaften: Fortschrittsvorstellungen zwischen Sozialtheorie und Zeitdiagnostik
  • Fran Osrecki, Universität Osnabrück: Legitimes Vergessen. Zum Umgang der Soziologie mit ihrer Überschussware