Replik auf den Offenen Brief an den ÖGS-Vorstand

In ihrem Offenen Brief an den Vorstand kritisieren die Verfasser:innen sowohl die Entscheidung des damaligen Vorstands, aus der ISA auszutreten, als auch die Art und Weise, in der diese Entscheidung zustande gekommen ist.

Als neuer, seit dem 01.01.2026 amtierender Vorstand, nehmen wir diese Kritik zum Anlass für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der vereinsinternen Willensbildung und dem Umgang mit aktuellen politischen Entwicklungen. Um die Repräsentation und Mitsprache der Mitglieder bei wichtigen Entscheidungen zu gewährleisten, planen wir aktuell unterschiedliche Maßnahmen. Diese betreffen Regelungen für eine demokratische Verfahrensweise bei Entscheidungen über den Beitritt/Austritt bzw. grundlegende Stellungnahmen gegenüber internationalen Fachgesellschaften ebenso wie die Organisation von Diskussionen über die im Offenen Brief angesprochenen Themen der Wissenschaftsfreiheit und politischen Verantwortung.

Zugleich möchten wir festhalten: Die ÖGS ist ein Verein (und keine NGO, wie es der Offene Brief stellenweise nahelegt); Mitbestimmungs- und Entscheidungsrechte sind daher an die Mitgliedschaft gebunden. Sofern die Unterzeichnenden des Offenen Briefs ÖGS-Mitglieder sind, laden wir sie ausdrücklich und herzlich ein, sich mit eigenen Vorschlägen und Ideen in die jetzt laufenden Prozesse aktiv einzubringen.

Der Vorstand der ÖGS

20.02.2026

Austrian Sociological Society (ÖGS) is terminating its collective ISA membership

At the end of June 2025, the International Sociological Association (ISA) temporarily suspended the Israeli Sociological Society (ISS), one of its national members. The reason for this is that, in the opinion of the ISA Executive Committee, the ISS has not distanced itself clearly enough from Israeli policy in the Gaza war. The Austrian Sociological Association (ÖGS) expressly rejects this decision by the ISA and is terminating its collective ISA membership until further notice.

It is the ISA’s own standard and mission to represent and interconnect sociologists worldwide, “regardless of their schools of thought, scientific approaches or ideological opinion” (Article 1, ISA Statutes).
It is not the task of the ISA to make political comments on controversial issues on behalf of the ISA (like several times on the Gaza war) that have not even been agreed upon with its national members.
It is not the task of the ISA to discipline (or even exclude) national members who do not share (or do not publicly express) the political opinion of the respective ISA Executive Committee.

Wars and armed conflicts should be the subject of international sociological conferences and debates. Societies such as the ISA should create places for open, critical discourse. Currently, the ISA clearly does not fulfill this requirement. The ÖGS is therefore terminating its ISA membership.

The ÖGS Executive Board

Die ÖGS beendet ihre kollektive ISA-Mitgliedschaft

Die International Sociological Association (ISA) hat Ende Juni 2025 die Israeli Sociological Society (ISS), eines ihrer nationalen Mitglieder, vorübergehend ausgeschlossen. Grund dafür ist, dass sich die ISS nach Meinung des ISA-Vorstands nicht deutlich genug von der israelischen Politik im Gaza-Krieg distanziert hat. Die Österreichische Gesellschaft für Soziologie (ÖGS) lehnt diese Entscheidung der ISA ausdrücklich ab und beendet ihre kollektive ISA-Mitgliedschaft bis auf Weiteres.

Anspruch und Aufgabe der ISA ist es, die Soziologie weltweit zu repräsentieren, zu vernetzen und zu fördern, und zwar unabhängig von Denkschulen, Methodologien oder politischen Meinungen (siehe Artikel 1 der ISA-Statuten).
Zu den Aufgaben der ISA zählt es nicht, politische Kommentare zu strittigen Themen im Namen der ISA abzugeben (wie mehrfach zum Gaza-Krieg), die nicht einmal mit den nationalen Mitgliedern akkordiert sind.
Zu den Aufgaben der ISA zählt es ebenfalls nicht, nationale Mitglieder zu disziplinieren (oder gar auszuschließen), die die politische Meinung des jeweiligen ISA-Vorstands nicht teilen oder öffentlich vertreten.

Kriege und bewaffnete Konflikte sollten Gegenstand internationaler soziologischer Tagungen und Debatten sein. Fachgesellschaften wie die ISA sollten Orte des offenen, kritischen Diskurses schaffen. Diesen Anspruch erfüllt die ISA aktuell offensichtlich nicht. Deshalb beendet die ÖGS ihre Mitgliedschaft.

Der Vorstand der ÖGS