Beitragstypen der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie
Die Österreichische Zeitschrift für Soziologie (ÖZS) veröffentlicht unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Beiträge. Neben ausführlichen Hauptbeiträgen bietet sie mit den Forschungsnotizen beziehungsweise „Reports“ auch kürzere Formate an, die sich insbesondere für die Dokumentation von Forschungsprojekten, Datenangeboten, Infrastrukturen, Methoden und Replikationsstudien eignen.
Die angegebenen Zeichenzahlen umfassen jeweils Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis und Tabellen, nicht jedoch Abstracts und ergänzende Materialien.
Hauptbeiträge
Der klassische Beitragstyp ist der Hauptbeitrag. Dabei handelt es sich um einen eigenständigen Beitrag, in dem theoretische, empirische oder methodologische Fragen der Soziologie behandelt werden. Zentral ist dafür, dass eine klar formulierte Forschungsfrage erkennbar sein und beantwortet werden muss.
Bei der Begutachtung wird insbesondere darauf geachtet,
- ob die Forschungsfrage klar und nachvollziehbar formuliert ist,
- ob die relevante Literatur angemessen, hinreichend umfassend und ausgewogen berücksichtigt wird,
- ob die verwendeten Methoden valide sind und korrekt angewendet werden,
- ob empirische Analyseschritte ausreichend transparent und – insbesondere bei quantitativen Arbeiten – replizierbar dokumentiert sind,
- und ob die Schlussfolgerungen durch den theoretischen Rahmen und die empirischen Ergebnisse gedeckt werden.
Der Umfang liegt zwischen 40.000 und 70.000 Zeichen, einschließlich Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis und Tabellen, jedoch ohne Abstract und ergänzende Materialien. Hauptbeiträge durchlaufen ein doppelt anonymisiertes Begutachtungsverfahren mit in der Regel zwei externen Gutachtenden.
Reports und Forschungsnotizen
Reports (beziehungsweise „Forschungsnotizen“) sind kürzere, eigenständige wissenschaftliche Beiträge. Sie werden in der Regel von einer externen Person anonym begutachtet. Der empfohlene Umfang beträgt etwa 30.000 Zeichen; zulässig sind Beiträge zwischen 20.000 und 40.000 Zeichen. In die Zeichenzahl einbezogen werden Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis und Tabellen, nicht jedoch Abstracts oder ergänzende Materialien. Sollten 40.000 Zeichen überschritten werden, wird der Beitrag wie ein Hauptbeitrag beurteilt.
Die ÖZS unterscheidet vier Formen von Reports:
Projektberichte
Projektberichte sind kompakte Darstellungen abgeschlossener Forschungsprojekte. Sie sollen einen klaren Einblick in die Forschungsfrage, das Forschungsdesign, die Durchführung und einzelne zentralen Ergebnisse des Projekts geben. Im Unterschied zu Hauptbeiträgen sind keine umfassende theoretische Einordnung oder Weiterentwicklung erforderlich. Im Zentrum steht eine transparente und wissenschaftlich nachvollziehbare Dokumentation des Projekts.
Die Begutachtung konzentriert sich insbesondere auf die Fragen,
- ob Ziel und Gegenstand der Studie ausreichend klar erläutert werden,
- ob das Forschungsdesign transparent dargestellt wird und zum Untersuchungsziel passt,
- und ob die Ergebnisse so dokumentiert sind, dass sie nachvollzogen und möglichst auch überprüft werden können.
Berichte zu Daten, Software oder Forschungsinfrastrukturen
In diesem Format können neue Datensätze, Softwarelösungen oder Forschungsinfrastrukturen vorgestellt werden, die für die soziologische Forschung relevant sind. Die beschriebenen Angebote müssen zum Zeitpunkt der Einreichung zugänglich und praktisch nutzbar sein. Auch Prototypen oder Betaversionen können berücksichtigt werden, sofern sie bereits benutzbar sind. Kommerzielle Angebote kommen nur infrage, wenn sie für die akademische Forschung kostenlos genutzt werden können.
Begutachtet wird insbesondere,
- ob Zweck, wissenschaftliche Relevanz und sozialwissenschaftliche Anwendungsmöglichkeiten klar erkennbar sind,
- ob das vorgestellte Angebot tatsächlich zugänglich und nutzbar ist,
- und ob Leser ausreichend Informationen erhalten, um die Daten, Software oder Infrastruktur selbst verwenden zu können.
Im Vordergrund stehen damit die Dokumentation, Nachnutzbarkeit und der konkrete Nutzen für die soziologische Forschung.
Workshop Reports
Workshop Reports vermitteln Verfahren und praktische Vorgehensweisen der Datenerhebung oder Datenanalyse. Sie können neue Methoden vorstellen oder etablierte Verfahren anhand konkreter beziehungsweise simulierter Daten veranschaulichen. Die Herkunft der verwendeten Daten muss transparent ausgewiesen werden.
Begutachtet wird,
- ob die vorgestellte Methode für die soziologische Forschung relevant ist,
- ob sie verständlich und hinreichend detailliert dargestellt wird,
- ob Leser das Verfahren auf eigene Forschungsfragen übertragen können,
- und ob geeignete Materialien zur Nachvollziehbarkeit und Replikation bereitgestellt werden.
Workshop Reports sind daher keine bloßen Veranstaltungsberichte, sondern methodisch-didaktische Beiträge für Forschung und Lehre.
Research in Brief
Das Format „Research in Brief“ ist für kurze Beiträge gedacht, die neue Erkenntnisse, Replikationen oder auch Ergänzungen zu bereits veröffentlichten Forschungsarbeiten bieten. Dazu zählen beispielsweise neue Wellen von Panel- oder Längsschnittstudien, aktualisierte Analysen oder Replikationsstudien. Die ursprüngliche Veröffentlichung muss nicht in der ÖZS erfolgt sein, für die Begutachtung muss sie jedoch zugänglich sein oder dem zuständigen Redaktionsmitglied übermittelt werden.
Entscheidend ist,
- ob der neue Beitrag einen substanziellen Erkenntnisgewinn gegenüber der ursprünglichen Veröffentlichung bietet,
- und ob ein nachvollziehbarer wissenschaftlicher Bedarf für die Aktualisierung, Ergänzung oder Replikation besteht.
Eine bloße Aktualisierung einzelner Kennzahlen ohne weiterführenden wissenschaftlichen Mehrwert ist für dieses Format nicht ausreichend.
Editorials
Editorials werden vor allem von Gastherausgeber thematischer Collections verfasst. Es bestehen zwei Varianten:
Kurze Editorials führen in eine Collection ein, erläutern ihre Entstehung und stellen die enthaltenen Beiträge vor. Sie werden nicht extern begutachtet. Diese Texte werden ausschließlich auf der Website der Collection veröffentlicht und erhalten keine DOI.
Ausführlichere, peer-reviewte Editorials ordnen das Thema einer Collection darüber hinaus analytisch in die soziologische Forschung ein. Von ihnen wird erwartet, dass sie
- die wissenschaftliche und soziologische Relevanz des Themas begründen,
- einen Überblick über zentrale Forschungsfelder und Debatten geben,
- und grundlegende Annahmen, Konzepte oder theoretische Positionen des Themenfelds strukturiert aufarbeiten.
Diese Editorials werden von einem Mitglied der ÖZS-Redaktion begutachtet, das nicht selbst an der betreffenden Collection beteiligt ist.
Buchrezensionen
Buchrezensionen können eingereicht werden, wenn das besprochene Werk einen deutlichen inhaltlichen Österreichbezug aufweist oder von Autor mit institutioneller Zugehörigkeit zu einer österreichischen Einrichtung verfasst wurde.
Der Umfang beträgt maximal 12.000 Zeichen. Die Entscheidung über die Veröffentlichung trifft die Rezensionsredakteurin. Dabei werden insbesondere die wissenschaftliche Sorgfalt, die argumentative Qualität, die sprachliche Klarheit und die Erfüllung des erforderlichen Österreichbezugs berücksichtigt.
Konferenzberichte
Konferenz- beziehungsweise Tagungsberichte werden ausschließlich auf Einladung verfasst. Freie Einreichungen sind für dieses Format nicht vorgesehen.
Allgemeine Anforderungen an Einreichungen bei der ÖZS
Unabhängig vom Beitragstyp müssen Einreichungen eine erkennbare Relevanz für die soziologische Forschung aufweisen und den Standards wissenschaftlicher Integrität entsprechen. Dazu zählen insbesondere ein transparenter Umgang mit Daten und Methoden, die Beachtung von Forschungsethik und Datenschutz sowie eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Forschungsfrage, theoretischem Rahmen, methodischem Vorgehen, Ergebnissen und Schlussfolgerungen.
Wissenschaftliche Beiträge werden grundsätzlich in einem doppelt anonymisierten Verfahren begutachtet. Manuskripte und ergänzende Materialien müssen daher so vorbereitet werden, dass keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Autor*innen möglich sind.
Beitragstypen im Überblick
| Beitragstyp |
Inhalt und Ziel |
Zentrale Begutachtungskriterien |
Umfang und Begutachtung |
| Hauptbeitrag |
Eigenständige theoretische, empirische oder methodologische Untersuchung einer soziologischen Forschungsfrage |
Klare Forschungsfrage; angemessene Berücksichtigung der Literatur; valide und korrekt angewandte Methoden; transparente und gegebenenfalls replizierbare Analysen; durch Theorie und Ergebnisse gedeckte Schlussfolgerungen |
40.000–70.000 Zeichen; doppelt anonymisiertes Peer Review mit in der Regel zwei externen Gutachtenden |
| Projektbericht |
Kompakte Dokumentation eines abgeschlossenen Forschungsprojekts |
Klare Darstellung von Forschungsziel und Untersuchungsgegenstand; angemessenes und transparentes Forschungsdesign; nachvollziehbare Dokumentation der Ergebnisse |
20.000–40.000 Zeichen, empfohlen etwa 30.000; doppelt anonymisiertes Peer Review, in der Regel ein externes Gutachten |
| Daten-, Software- oder Infrastruktur-bericht |
Vorstellung zugänglicher Datensätze, Softwarelösungen oder Forschungsinfrastrukturen |
Soziologische Relevanz und konkrete Anwendungsmöglichkeiten; tatsächliche Zugänglichkeit und Nutzbarkeit; ausreichende Dokumentation für eine eigenständige Nachnutzung |
| Workshop Report |
Vermittlung von Verfahren und praktischen Vorgehensweisen der Datenerhebung oder Datenanalyse |
Methodische Relevanz; verständliche und hinreichend detaillierte Darstellung; Übertragbarkeit auf andere Forschungsfragen; Verfügbarkeit von Replikationsmaterialien |
| Research in Brief |
Aktualisierung, Ergänzung oder Replikation bereits veröffentlichter Forschung |
Substanzieller Erkenntnisgewinn gegenüber der ursprünglichen Veröffentlichung; nachvollziehbarer wissenschaftlicher Aktualisierungs- oder Replikationsbedarf |
| Peer-reviewtes Editorial |
Analytische Einordnung des Themas einer Collection |
Begründung der wissenschaftlichen Relevanz; Überblick über zentrale Debatten; strukturierte Darstellung grundlegender Konzepte und theoretischer Positionen |
Begutachtung durch ein nicht an der Collection beteiligtes Mitglied der ÖZS-Redaktion |
| Kurzes Editorial |
Einführung in eine Collection und Vorstellung der enthaltenen Beiträge |
Klare Einordnung des Schwerpunkts und nachvollziehbare Darstellung der Collection |
Keine externe Begutachtung; redaktionelle Prüfung |
| Buchrezension |
Kritische Besprechung eines Buches mit inhaltlichem oder institutionellem Österreichbezug |
Wissenschaftliche Sorgfalt; argumentative und sprachliche Qualität; Erfüllung des Österreichbezugs |
Maximal 12.000 Zeichen; redaktionelle Prüfung |
| Konferenzbericht |
Dokumentation einer wissenschaftlichen Konferenz oder Tagung |
|
Ausschließlich auf Einladung; keine freien Einreichungen |